Dein Kind ist betroffen? Oder du willst es schützen, bevor es passiert? Hier findest du alles: Anzeichen erkennen, sofort handeln, Beweise sichern, melden und echte Hilfe bekommen.
Definition, Formen und der Unterschied zu normalem Streit
Beleidigende Nachrichten, Kommentare, Bewertungen – direkt oder in Gruppen.
Peinliche oder gefälschte Fotos/Videos werden ohne Erlaubnis geteilt, teils manipuliert.
Bewusstes Ignorieren, aus Gruppen kicken, öffentliches Bloßstellen vor der Klasse.
Fake-Profile im Namen des Opfers erstellen und damit andere täuschen oder schädigen.
Androhung von Gewalt, Erpressung mit kompromittierenden Inhalten (auch: Sextortion).
Absichtliches Sabotieren im Spiel, Beschimpfungen per Voice-Chat, Ausschluss aus Guilds.
So merkst du, dass dein Kind betroffen sein könnte
Stellt das Handy sofort weg, wenn du näher kommst, oder reagiert nervös beim Empfang von Nachrichten.
War vorher lebhaft, ist nach dem Handy-Benutzen still, niedergeschlagen oder gereizt.
Will nicht mehr zur Schule, meidet Freunde, zieht sich komplett zurück oder bricht Freundschaften ab.
Schläft schlecht, wirkt dauerhaft erschöpft – prüft das Handy auch nachts heimlich.
Häufige Kopf- oder Bauchschmerzen ohne medizinische Ursache, besonders montags oder vor der Schule.
Noten fallen plötzlich, Kind wirkt unkonzentriert, verliert Interesse an Hobbys, die es liebte.
Emotionale Ausbrüche, die das Kind nicht erklären will oder kann.
Löscht plötzlich Social-Media-Profile oder legt neue an – ein Zeichen, dass die alte Identität „kontaminiert" ist.
Dein Kind hat dir von Cybermobbing erzählt – was jetzt?
Höre zu, ohne zu unterbrechen. Zweifle nicht. Sag deinem Kind klar: „Ich glaube dir. Das ist nicht deine Schuld. Ich helfe dir." Diese Worte sind gerade wichtiger als jede technische Maßnahme.
SofortSag deinem Kind, dass es NICHT auf Nachrichten antworten, liken, kommentieren oder teilen soll. Jede Reaktion gibt den Tätern das, was sie wollen: Macht und Aufmerksamkeit. Auch du als Elternteil solltest vorerst nicht direkt Kontakt zu den Tätern aufnehmen.
SofortScreenshots von beleidigenden Nachrichten, Kommentaren, Posts und Profilen. Datum und Uhrzeit notieren. Beweise werden später für die Schule oder die Polizei gebraucht. (Mehr dazu im nächsten Abschnitt.)
⚠️ Ausnahme: Intime Fotos, Nacktbilder und Deepfakes NIEMALS screenshotten → sofort Polizei (110).
Auf allen Plattformen blockieren, auf denen das Mobbing stattfindet. Privatsphäre-Einstellungen überprüfen und auf „Nur Freunde" setzen. Kommentarfunktion ggf. deaktivieren.
Heute nochInhalte über die Melde-Funktion der jeweiligen Plattform als Mobbing/Belästigung melden. Plattformen sind gesetzlich verpflichtet, solche Inhalte zu entfernen (NetzDG). (Anleitung für jede Plattform weiter unten.)
In den nächsten 24hWende dich an Klassenlehrerin, Schulsozialpädagogen oder Vertrauenslehrkraft. Auch wenn das Mobbing „nur" online stattfindet – es geht meist von Mitschülerinnen aus und hat Auswirkungen im Schulalltag. Schulen haben Handlungspflicht.
Diese WocheBei Drohungen, Erpressung, Bildmissbrauch (insbesondere: intime Fotos, Deepfakes) oder wenn Täter Erwachsene sind: Anzeige erstatten. Das ist kein Übertreiben – das sind Straftaten (§ 238 StGB Stalking, § 184 StGB, § 241 StGB Bedrohung).
Bei Drohung/Erpressung/Bildern sofortBeweise sind der wichtigste Schritt – bevor Inhalte gelöscht werden
Das Speichern, Weiterleiten oder Besitzen von intimen Bildern Minderjähriger – auch als Screenshot – kann nach §184b StGB strafbar sein. Das gilt auch für Opfer und Eltern, die „nur Beweise sichern" wollen.
Richtige Vorgehensweise bei intimen Bildern / Deepfakes:
1. Bild nicht screenshotten, nicht weiterleiten, nicht herunterladen
2. Plattform sofort über den Melden-Button melden (URL notieren reicht als Beweis)
3. Polizei anrufen: 110 – die sichern Beweise professionell und legal
4. Inhalt direkt beim Bundeskriminalamt melden: bka.de/meldestelle
⚠️ Nur bei Nachrichten/Kommentaren – NICHT bei intimen Bildern!
Schritt-für-Schritt für jede Plattform
Was Schulen tun müssen – und wie du das Gespräch vorbereitest
Direkt für dich – wenn du betroffen bist oder jemanden kennst
Wie sich das Risiko und die richtigen Reaktionen je nach Alter unterscheiden
Was du jetzt tun kannst, um dein Kind zu schützen
Rede regelmäßig über digitale Erlebnisse – nicht als Verhör, sondern als echtes Interesse. „Was macht ihr gerade so auf TikTok?" öffnet mehr Türen als „Zeig mal dein Handy."
Profile auf „Privat" setzen. Wer kann Kommentare schreiben? Wer kann Nachrichten senden? Diese Einstellungen regelmäßig gemeinsam überprüfen – nicht heimlich.
Kein Standort in Posts, keine Fotos vor der Schule mit sichtbarem Schulnamen, kein „Ich bin jeden Montag um 15 Uhr im Park." Täter nutzen diese Infos.
Erkläre: Was man online schreibt, trifft einen echten Menschen. Kurze Übung: „Würdest du das auch laut vor der Klasse sagen?" – wenn nein, dann nicht posten.
Klare, gemeinsam erarbeitete Regeln schaffen Sicherheit. Kein Senden von peinlichen Fotos anderer. Keine Beitritte zu Gruppen ohne Erlaubnis. Kein Antworten auf Provokationen.
Wenn das Kind sieht, wie jemand gemobbt wird: Nicht liken, nicht teilen, nicht lachen. Stattdessen dem Opfer privat zeigen, dass man auf seiner Seite ist. Bei Beleidigungen/Kommentaren: Screenshot als Beweis machen. Bei intimen Bildern oder Nacktfotos gilt: KEIN Screenshot – sofort einem Erwachsenen sagen.
Abends ab 21 Uhr kein Social Media mehr. Mobbing eskaliert oft abends und nachts, wenn Kinder allein sind. Gemeinsame Aufladestation im Wohnzimmer hilft.
Kinder mit stabiler Identität abseits von Likes und Followern sind widerstandsfähiger. Hobbys, Sport, echte Freundschaften – das ist der beste Schutz.
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Jedes Bundesland hat einen kostenfreien schulpsychologischen Dienst. Anfrage über die Schulleitung oder direkt beim Schulamt des Landkreises.
Rechtliche Erstberatung bei Bildmissbrauch oder Fake-Profilen. Kann bei der Formulierung von Unterlassungsschreiben helfen.
Wenn Plattformen gemeldete Inhalte nicht löschen: Beschwerde beim Bundesnetzwerk Medienkompetenz oder der Bundesnetzagentur einlegen.
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